Im reittherapeutischen Alltag haben unsere Pferde mit vielen Menschen zu tun: Neben den TherapeutInnen und KlientInnen unterstüzen uns PraktikantInnen und ehrenamtliche HelferInnen. Pferde sind deshalb so gut als „Therapeuten“ geeignet, weil sie sich immer auf ihr Gegenüber einstellen, versuchen herauszufinden was der- oder diejenige von ihnen möchte und sich entsprechend zu verhalten. Das tun sie jederzeit: in den Therapien, beim Training, aber auch wenn jemand sie „nur“ zur Weide führt. Jede Person verhält sich dabei etwas anders, kommuniziert anders mit dem Pferd, erlaubt oder verbietet unterschiedliche Dinge. Das ist für die Pferde eine Herausforderung, gerade weil sie bemüht sind, entsprechend mitzumachen und zu „verstehen“ was man von ihnen möchte.

Für uns im Pferdeprojekt ist eine der größten Herausforderungen, dafür zu sorgen, dass die Pferde trotzdem nicht überfordert und verwirrt sind, sondern weiterhin mit Neugier und Wohlwollen auf Menschen reagieren. Im Training achten wir daher darauf, dass maximal zwei bis drei feste Bezugspersonen regelmäßig mit dem Pferd arbeiten, sich dabei immer wieder gut absprechen und gemeinsam den „roten Faden“ halten. Wir gestalten das Training abwechslungsreich, stellen es individuell abgestimmt auf die Bedürfnisse des jeweiligen Pferdes in Absprache mit Trainern, Osteopathin und Tierarzt zusammen. Dabei orientieren wir uns an den Grundlagen der klassischen Dressur und den biomechanisch-anatomischen Gegebenheiten. Neben dem Reiten im Viereck und Gelände, werden die Pferde an der Hand, der Longe und dem Langzügel gearbeitet. Ein ausgewogenes Training hält die Pferde körperlich und psychisch gesund. 

Wenn ein neues Pferd dazu kommt, gewöhnen wir es zunächst an die Materialien und Gegenstände, denen es in den Therapien begegnen wird. Ein Schrecktraining wird absolviert, damit das Pferd auch bei durch die Reithalle fliegenden Bällen und lauten Kindern ruhig und gelassen bleibt. Das Pferd wird daran gewöhnt, dass ein Reiter sich auf dem Pferd bewegt, auch mal im Liegen oder Rückwärts reitet. Der Einstieg in die Therapien erfolgt dann nach und nach, um das Pferd nicht zu überfordern.

Das Wohlergehen der einzelnen Pferde thematisieren wir regelmäßig in unseren Teambesprechungen und bemühen uns, optimale Bedingungen für sie herzustellen. Neben einem guten Training ist uns die artgerechte Haltung der Pferde im Offenstall dabei eine wichtige Grundvoraussetzung. Die Pferde leben im stabilen Herdenverband, können sich frei auf dem Paddock bewegen und Sozialverhalten leben. In der Weidesaison verbringen sie die Tage auf der Weide. Wir achten auf ausreichende Ruhezeiten, denn nur ausgeglichene, zufriedene und gesunde Pferde können gute Therapiepferde sein.